Fulminante Premiere des „Mönch von Rohr“

Freilichtspiel „Der Mönch von Rohr“ mit 70 Mitwirkenden – Letzte Aufführungen am 5. und 6. Juli – Viele Kolping-Theaterspieler auf der Bühne

Bei prächtigem Kaiserwetter, die das Bühnenbild, die Aufbauten und die farbenprächtigen, historischen Kostüme der Darsteller zum Leuchten brachten, konnte das Freilichtspiel „Der Mönch von Rohr“ mit zwei tollen Aufführungen am 21./22. Juni eine fulminante Premiere feiern. Die letzten beiden Aufführungen finden am Samstag, 5. Juli und Sonntag, 6. Juli, jeweils um 19 Uhr, statt.

Für ihre gekonnte, schauspielerische Leistung wurden die 70 Laiendarsteller von den bisher rund 1000 Zuschauern auf den vollbesetzten Tribünen im durch Zusatztribünen erweiterten Amphitheater der Rohrer Benediktinerabtei mit einem langanhaltenden Sonderbeifall bedacht.

Das Lob von den Promis des Landkreises mit dem Schirmherrn, dem Vorsitzenden der EVP im Europäischen Parlament MdEP Manfred Weber an der Spitze über dieses kulturelle Highlight, die reife Leistung der Laiendarsteller und vor allem die gekonnte Inszenierung durch Regisseur Hans Lankes und seinen Regieassistenten Martina Neumayer und Ferdinand Lankes, sowie dem Organisationschef Matthias Hermann mit seinem Team vom veranstaltenden Förderverein Brauchtum- und Kulturpflege Rohr e.V. war überschwänglich.

Das Stück wurde erstmals 2003 uraufgeführt und erfuhr nun nach 22 Jahren Pause heuer eine Neuauflage. Von den Darstellern aus dem Jahr 2003 sind noch viele auch bei dieser Neuauflage in gleicher oder anderer Rolle mit dabei. Viele der Darsteller kommen aus der Theatergruppe der Kolpingsfamilie Rohr, die eine auf das Gründungsjahr 1952 zurückgehende Theatertradition hat, sowie aus den umliegenden Orten Obereulenbach und Sallingberg, die bei der Landjugend erste Bühnenerfahrungen sammelten.

So sind auch die Neumayers mit Vater Hubert als mächtigen „Vogt Hunno“, Mutter Martina als Moderatorin und Regieassistentin, die 19-jährige Tochter Cornelia als resolute Vogttochter „Stasi“ und der 17-jährige Stefan als leidgeprüfter „Hannes“, dem unglücklich Verlobten der „Stasi“ im Geschehen auf der Bühne Mittendrin.

Bereits vor 22 Jahren, damals frisch verheiratet, verkörperten Hubert Neumayer mit dem „Mönch Balmundt“ den Gegenspieler von „Vogt Hunno“ und Martina Neumayer als „Stasi“, den weiblichen Wirbelwind auf der Bühne, schon Hauptrollen. Martina Neumayer spielte ihre Rolle so überzeugend, dass das bekannte Chiemgauer Volkstheater des bekannten Volksschauspielers Bernd Helfrich, der bei der Abschlussvorstellung in Rohr anwesend war, ihre Fühler nach ihr ausstreckte.

Martina, geb. Wittmann, stand als damals 16-Jährige erstmals bei der 40-Jahrfeier der Rohrer Kolpingsfamilie im Jahre 1992 auf der Bühne und begeisterte die Besucher beim Festabend. Fortan zählte sie zu den Korsettstangen der Theatergruppe der Kolpingsfamilie Rohr, deren Leiterin und Organisatorin sie bereits seit einigen Jahren ist. Dort traf sie dann auf den drei Jahre älteren Hubert Neumayer, der ebenfalls seit 33 Jahren in meist sehr bestimmenden Rollen auf der Bühne des Kolpingtheaters steht. Von den Eltern das Talent zum Theaterspielen geerbt, standen Tochter Cornelia Neumayer mit damals neun Jahren und der 7-Jährige Sohn Stefan bei der unvergessenen Aufführung der Operette „Gräfin Mariza“ der Rohrer Liedertafel im Jahr 2015 auf der Bühne. Mittlerweile gehören auch sie zum Ensemble der Theatergruppe der Rohrer Kolpingsfamilie.

Aus dieser ging auch der gspassige „Diener Veit“ des Vogt Hunno, alias Marktgemeinderat Toni Bernpeintner hervor, dessen humorvollen Auftritte in Hauptrollen auf der Kolpingbühne und bei kulturellen Anlässen in Rohr noch Vielen in bester Erinnerung sind. Besonders würdevoll tritt bei dem Stück auch der 62-jährige Michael Schmid aus Obereulenbach als gerechter und gütiger „König Heinrich“ in Erscheinung.

An dieser Stelle wären noch viele zu nennen, die bereits auf Rohrer Bühnen, zu denen auch die Rohrer Liedertafel mit ihren Operettenaufführungen zählte, Theaterluft schnupperten. Dieses Repertoire an guten Schauspielern in Rohr und Umgebung, so Regisseur Hans Lankes und Organisationschef Matthias Hermann vom veranstaltenden Förderverein für Brauchtum- und Kulturpflege Rohr hat uns ermuntert, uns an eine Neuauflage des Freilichtspiels „Der Mönch von Rohr“ heranzuwagen. Das Freilichtspiel der Mönch von Rohr wird somit zu einem Gemeinschaftsprojekt, das Geschichte lebendig macht und den Sommer in der Region kulturell bereichert.

Dieses Wagnis hat sich gelohnt, denn die Akteure sind mit Begeisterung dabei und die Besucher dürfen sich auf noch zwei weitere, schöne Aufführungen in dem beeindruckenden Ambiente des Amphitheaters des Rohrer Klosters freuen. Durch das von Ramona Ettenhuber aus Sallingberg konzipierte Bühnenbild, dem unter der Regie von Josef Goß mächtig aufgebauten Burgturm und dem Brunnen als Mittelpunkt eines tollen Dorfplatzambientes, den vom Schützenverein aufgebauten urigen Hütten, den Stangen mit Hopfenreben und den Heumandeln wurde dieses noch aufgewertet.

Im weitläufigen Areal des Klostergartens wurden zudem Hütten aufgestellt, an denen kulinarische Köstlichkeiten, wie die bekannten Hirtenbrote, gebackener Schinken in Brötchen, Lauch-Käse-Stangen und eine neuartige Kartoffelkreation angeboten werden. Damit genügend Zeit für die Verköstigung bleibt, ist das Veranstaltungsareal bereits ab 17.30 Uhr geöffnet.

Der Kartenvorverkauf läuft Online über www.okticket.de und dessen Vorverkaufsstellen im Büro des Autohauses Nachtmann, bei den Reisebüros Amberger in Rottenburg und Spornraft-Zettl in Pfeffenhausen und im Kulturhaus „Storchenwirt“ in Neustadt/Donau.

Über das Stück
Das Stück stammt aus der Ursprungsfassung des Schauspielers Max Bayrhammer, dem Vater des bekannten Volksschauspielers Gustl Bayrhammer, aus dem Jahre 1926. Bei der ersten Aufführung im Jahre 2003 wurde dieses Stück durch den unvergessenen, damaligen Regisseur, dem Profi Regisseur Joey Pflüger aus den Reihen des Chiemgauer Volkstheaters, dem Zeitgeist angepasst und in weiten Teilen neu und damit ansprechender inszeniert.

Durch die Einbindung schauspielerprobter Laien der Kolpingsfamilie Rohr, der KLJB Sallingberg, der BJB Obereulenbach, des Rohrer Kirchenchores, der Rohrer Liedertafel, des Chores Cantiamo sowie der Fanfarenbläser aus den Reihen der Marktkapelle Rohr, deren Talente Hans Lankes und Martina Neumayer alle schnell erkannten und geschickt in die Handlung einbauten, gewann das Stück von Woche zu Woche noch an zusätzlicher Qualität.

Die Premiere war ein überzeugender Beweis dafür, daß es Hans Lankes verstanden hat, diese Gruppen, für deren musikalische Leitung Regina Lausser verantwortlich war, zu einem leistungsfähigen und schlagkräftigen Ensemble zu formen. Die Truppe, so Hans Lankes, war von Anfang an mit Begeisterung dabei und dieser Funke springt auch auf das Publikum an dieser schönen Spielstätte über.

Durch die Aufbauten mit dem Bühnenbild von Ramona Ettenhuber aus Sallingberg, den von Josef Goß gestalteten Turm und den von Franz Krammer geschaffenen Brunnen am Dorfplatz sowie den urigen Hütten der Baumeister des Rohrer Schützenvereins wurde hier ein einmaliges Ambiente geschaffen, lobten die bei der Premiere anwesenden Abtpräsides Markus Eller OSB und Landrat Martin Neumeyer sowie der Direktor des Johannes-Nepomuk-Gymnasiums OStD Dr. Thomas Michna.

Zur Handlung
Die Handlung des Stückes, das in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts spielt, dreht sich um den Ort Rohr, an dessen Ortsrand in einer Klause zwei geheimnisvolle Mönche (Simon Lorenz und Eva Steinsdorfer) wohnen, die durch die Ungarn aus ihrer Heimat in der heutigen Wachau vertrieben wurden. Für Schärfe sorgte der damals ungerecht in Rohr herrschende Vogt (Hubert Neumayer) mit seiner vorlauten Tochter Stasi (Cornelia Neumayer). Auf dem Höhepunkt seiner Schreckensherrschaft wird Balmundt (Simon Lorenz), der Mönch von Rohr, vom Vogt vor dem Herzog Arnulf von Regensburg (Sebastian Brummer) angeklagt und verurteilt.

In höchster Not vor den in Rohr einfallenden Ungarn lässt der Vogt auf Intervention dessen Dieners Veit (Anton Bernpeintner) auch Balmundt für die Dauer des Kampfes frei. Zum großen Finale erscheint dann der weise König Heinrich (Michael Schmid).
Dieser hat ein Faible für die Gerechtigkeit, den tapferen Ritter Balmundt und die ihr Dorf verteidigenden Rohrer. Die am Anfang erklingenden Fanfaren, die Flötenkinder an der Spitze des Erntedank-Festzuges und die aufwändigen, farbenprächtigen Kostüme vor dem weißen Turm sowie die Leinwand mit dem Ortsbild des 10. Jahrhunderts runden dieses sehenswerte, gelungene Freilichtspiel ab.

Bericht und Bild: Martin Haltmayer