Licht vom Tabor
Liebe Kolpinggeschwister!
Wenn ich dieses Wort schreibe, stehe ich immer noch unter dem Einfluss des Evangeliums vom 2. Fastensonntag. Jesus steigt mit seinen engsten Freunden auf den Berg Tabor. Jede oder jeder die schon einmal auf diesem Berg mit einer Höhe von ca. 600 m gestanden ist und in die Ebene um ihn herumblickt, der spürt, dass es sich hier um meinen besonderen Flecken handeln muss.
In der Bibel ist der Begriff Berg immer der Ort, an dem die Menschen Gott begegnen konnten und auf dem Gott sich offenbart, gleichsam berühren sich hier Himmel und Erde. Auf dem Berg Tabor zeigt sich, wer Jesus eigentlich ist. Er ist der Träger des göttlichen Lichtes und der von Gott Gesandte. Ja, der Himmel öffnet sich und die Jünger dürfen einen kleinen Einblick wagen, was den anderen verborgen bleibt.
Petrus erkennt sofort, dass es etwas ganz Besonderes ist. Das bringt er in dem Satz zum Ausdruck: „Herr, es ist gut, dass wir hier sind! Lasst uns drei Hütten bauen“. Dieser Augenblick ist so schön, dass er ihn aufhalten nach dem Wort: Geh weiter Zeit bleib stehn!“
Habt ihr in eurem Leben auch schon solche Begegnungen erlebt, die ihr am liebsten festhalten und noch länger genießen wolltet. Ja, so was genießen, daran schnuppern, das ist gut für uns. Aber es wäre sicherlich verkehrt, wenn wir uns nur an solchen Dingen festhalten.
Nach diesem Erlebnis auf dem Berg, geht Jesus mit den Jüngern wieder zurück in ihr ganz normales Leben. Damit will er ihnen und auch uns zeigen, diese Verklärung, die Begegnung mit ihm, ist für uns Orientierung und Halt für unseren Weg, für das, was das uns noch bevorsteht.
So kann diese Fastenzeit für uns eine Zeit des inneren Aufbruchs werden. Wir sollen in unserem Leben darüber nachdenken, was wichtig für uns selber und für den Umgang mit den anderen ist. Lassen wir das in unserem Leben weg, was uns festhält oder auch in die falsche Richtung führt. Lassen wir uns lenken zu einem Vertrauen, das sich auf die Menschen und auf Gott einlässt und nicht bis ins letzte abgesichert ist.
Auch wenn wir so manche Durststrecken erleiden, wir können uns getragen wissen von der Liebe Jesu, die uns immer begleitet, auch wenn wir uns oft allein und einsam fühlen. Unser Glaube schenkt uns die Haltung, dass wir nicht allein sind. Wir tragen das Licht des Tabor in uns – als Erinnerung und als Verheißung.
Das wünscht euch mit einem Treu Kolping
Karl-Dieter Schmidt, Diözesanpräses
Bild von Ingo Jakubke auf Pixabay
