Fasching – Fastenzeit
Liebe Kolpinggeschwister!
Dieser Monat Februar ist zwei geteilt. Toben am Beginn dieses Monates im Fasching noch die Narren, ist das Geschrei am Aschermittwoch vielerorts groß, denn da soll plötzlich alles vorbei sein, wie es schwungvoll in einem Karnevalslied gesungen wird.
Fasching ist eine Zeit des Ausgelassen-Seins, dies ist auch gut so. Aber nach den ganzen Feierlichkeiten nach dem ganzen Trubel setzt die Kirche an den Beginn der Fastenzeit ein besonders Zeichen: das Aschenkreuz. Zeichen, dass unser Leben vergänglich ist.
Mit den verbrannten Palmkätzchen des letzten Jahres werden wir daran erinnert, dass wir umkehren und dem Evangelium glauben sollen. Mit diesem Denken geht alles zurück auf unsere Wurzeln. Wir sollen merken und spüren, dass wir von Gott ins Leben gerufen wurden, und er uns auch unser ganzes Leben begleitet, bis es bei ihm endet.
Wäre es für uns nicht einmal wieder Zeit, dass wir Jesus und seine Botschaft wieder mehr in unseren Alltag hereinzurücken. Fastenzeit könnte für uns alle auch die Zeit des Nachdenkens sein, was ist für mich wichtig.
Ich habe für die Fastenzeit eine Kurzgeschichte bei Willi Hoffsümmer (Kurzgeschichten 2, Mainz 1985) gefunden, die euch zum Nachdenken anregen soll. Sie ist überschrieben mit dem Titel “Lieber Zeit zum Nachdenken”.
“Im alten China, so wird berichtet, hatte ein Bauer ein kleines Reisfeld oberhalb einer Schlucht. Täglich stieg er mehrmals in die Schlucht hinab, um Wasser für seine Felder heraufzutrage.
Als die Europäer ins Land kamen und den Bauern seine mühsame Arbeit verrichten sahen, boten sie ihm an, eine Pumpe zu bauen, die ihm die ganz last des Wassertragens ersparen würde.
Der Bauer lehnte höflich ab: Könnte ich mehr Wasser trage, so fehlte mir die Zeit zum Nachdenken.”
So wünsche ich Euch in dieser Fastenzeit viel Zeit zum Nachdenken, ob wirklich alles, was ich schnell machen kann und muss, auch für mein eigenes Leben positiv ist, damit die Fastenzeit wertvoll für dich wird.
Das wünscht euch mit einem Treu Kolping
Karl-Dieter Schmidt, Diözesanpräses
