Zwei Minuten
Liebe Kolpinggeschwister!
Der Dezember ist ein besonderer Monat. Neben den alltäglichen Dingen, die zu bewältigen sind, werden wir alle noch in die Vorbereitung auf Weihnachten eingespannt. Es ist eine Zeit, in denen uns die Zeit oft zu kurz wird. Auch wenn so manche Christkindlmärkte der Unsitte folgen, weit vor dem ersten Advent zu öffnen, verspüren viele unserer Zeitgenossen, dass die Zeit des Wartens immer noch zu kurz ist.
Bei anderen wird der Advent in unseren Breiten aber doch meist übersprungen. Viele sprechen von Anfang an von der Weihnachtszeit. So wollen die Menschen diese Zeit der Erwartung überspringen, um gleich am Ziel von Weihnachten zu sein.
Und trotzdem brauchen wir diese Zeit der Vorbereitung, diese Zeit des Wartens. In so machen Umfragen wird deutlich, dass der Sinn von Weihnachten nicht mehr präsent ist. Wir bereiten uns auf die Begegnung vor, dass Gott Mensch wird. Dieses Geheimnis braucht Vorbereitung, braucht diese Zeit des Wartens.
Der Advent ist die Zeit des Wartens, das ist der Gegenpol zu unserer oft hektischen Zeit. Ich frage mich oft, wie kann ich in dieser hektischen Zeit – meist machen wir sie uns selber – zur Besinnung auf das Wesentliche kommen.
Nimm dir zwei Minuten pro Tag Zeit. Diese winzige Zeitspanne kann im Advent eine tiefere Bedeutung für dein Leben gewinnen.
Zwei Minuten Stille, morgens vor dem ersten Termin. Zwei Minuten Stille, in denen die Kerze auf dem Adventskranz ruhig vor sich hin brennt. Zwei Minuten, in denen du das Telefon beiseitelegst, tief durchatmest und dich fragst: Was erwarte ich eigentlich?
Diese kleinen Inseln des Wartens schaffen Raum für Besinnung. Sie erinnern daran, dass Vorfreude nicht laut sein muss, sondern oft im Stillen entsteht. In einer Welt, die alles sofort liefert, kann das bewusste Warten zu einer Übung werden: Geduld, Dankbarkeit und Achtsamkeit wachsen nicht im Sprint, sondern im Innehalten.
Zwei Minuten reichen dafür überraschend weit. Der Advent lädt uns ein, das Wartende in uns wiederzuentdecken. Vielleicht beginnt es mit genau diesen zwei Minuten – und führt zu einem tieferen Verständnis für das, was wirklich zählt.
Das wünscht euch
Karl-Dieter Schmidt, Diözesanpräses
Foto von Agê Barros auf Unsplash
