Über die Schwelle tragen
Liebe Kolpinggeschwister!
Wir sind in dem Monat angelangt, der für viele eine Zeit ist, die trist und düster ist. Genau in diesen Monat fallen die Tage, in denen wir unserer Verstorbenen gedenken. Es ist immer noch ein schönes Ritual an Allerheiligen/Allerseelen zum Friedhof zu gehen, um uns an unsere Toten zu erinnern.
Ebenso setzen wir uns in dieser Zeit vermehrt mit dem Tod auseinander. Viele fragen sich: “Gibt es überhaupt ein Leben nach dem Tod? Wie geht es weiter? Werden wir uns wiedersehen?” Zu diesem Thema habe ich bei Willi Hoffsümmer eine Kurzgeschichte gefunden.
Ein schon größeres Kind fragt seine Mutter: “Wie ist das mit dem Sterben?” Die Mutter antwortet mit einer Gegenfrage: “Was geschieht, wenn du abends in der Stube einschläfst, aber am Morgen in deinem Bett aufwachst?” Das Kind antwortet nach einigem Überlegen: “Du hast mich über die Schwelle des Zimmers in mein Bett getragen.”
Da sagt die Mutter: “Das habe ich schon so oft gerne und mit Liebe getan. So ist das auch mit Gott. In seinem Sohn können wir seine Liebe spüren. Er umfängt alle Menschen, wie wir sind. Er trägt uns über die Schwelle, und nimmt uns zu sich. Die Schwelle, über die er uns trägt, trennt nicht das Diesseits und Jenseits. Aber erst im Jenseits wartet auf uns das, was uns glücklich machen und ganz erfüllen kann.” (Willi Hoffsümmer, Kurzgeschichten 5, Mainz 1995)
So dürfen wir als Christen aus der Hoffnung leben, dass Gott auch uns über die Schwelle zu ihm in sein Reich tragen wird. Bleiben wir alle mit Gott verbunden. Er begleitet uns alle mit seinen Segen.
Das wünscht euch
Karl-Dieter Schmidt, Diözesanpräses
Foto von Helena Lopes auf Unsplash
